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Situation in der Schulpsychologie - Unser offener Brief an die niedersächsischen Landtagsabgeordneten

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30159 Hannover

 



Oldenburg, d. 25.3.2009


Situation in der Schulpsychologie
Unser offener Brief an alle Abgeordneten vom 5.9.08


Sehr geehrte Damen und Herren,

in unserem offenen Brief vom 5.9.2008 hatten wir Sie auf die desolate Situation in der Schulpsychologischen Beratung in Niedersachsen hingewiesen.

Die dort angesprochene Befürchtung, dass der Schulpsychologie der Kollaps drohe, hat sich schneller bewahrheitet als gedacht. Bereits momentan ist die Zahl der Vollzeiteinheiten landesweit auf 38 gesunken. Dies entspricht einer Relation von Schulpsychologe pro Schüler von etwa 1 zu 32000.
Zwar sind derzeit drei befristete Stellen ausgebracht, die sich aber wegen der fehlenden Attraktivität (Befristung auf 6 bzw. in einem Fall 12 Monate!) nicht besetzen lassen bzw. ausgewählte Interessenten zum Abspringen veranlassen.

Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Winnenden ist diese katastrophale Entwicklung auch von der überregionalen Presse aufgegriffen worden.
Selbst wenn sich Taten wie die in der Albertville-Realschule nicht restlos verhindern lassen, ist der notwendige Einsatz von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im Rahmen von Prävention und Nachsorge bei solchen Vorkommnissen unstreitig und wird in Fachkreisen und der Öffentlichkeit nachdrücklich vertreten.

Niedersachsen steht hier besonders schlecht da, nicht gerade ein Qualitätsausweis für ein Bundesland, das sich selbst zum Bildungsland erklärt.

Dabei hat die Kultusministerin doch in ihrer Presseerklärung zu Winnenden darauf hingewiesen, es sei von besonderer Bedeutung, „die bestmöglichen Rahmenbedingungen für umfassende Prävention zu schaffen.“


Es besteht hier dringender bildungspolitischer Handlungsbedarf. Das bloße Ankündigen von Konzepten, die dann doch nicht vorgelegt bzw. nicht umgesetzt werden, kann nicht mehr hingenommen werden.

Das Land Baden-Württemberg hat nach dem 6. Dezember 2006, als eine Amokdrohung an dortigen Schulen für viel Aufregung sorgte, die richtigen Konsequenzen gezogen und im Jahre 2007 insgesamt 50 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen eingestellt, die auch eine Basisqualifikation in Notfallpsychologie erhalten haben.

Nur durch den Einsatz dieser Kolleginnen und Kollegen kann die vorbildliche und umfassende Nachsorge für die gesamte in Teilen extrem traumatisierte Schulgemeinschaft gewährleistet werden.

Ereignisse solcher Art sind jederzeit auch in Niedersachsen möglich. Bei einigen Nachahmungstätern war auch durch den Zugang zu Waffen eine sehr starke Gefährdung vorhanden.
Das Land Niedersachsen wäre wegen der Personaleinsparungen der vergangenen Jahre nicht in der Lage, die nach einer solchen Tat notwendige Unterstützung durch Schul-psychologinnen und Schulpsychologen in dem erforderlichen Umfang zu gewährleisten.

Dies so zu belassen, würde der Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler in unserem Lande nicht gerecht.

Mit Recht ist deshalb in einer gemeinsamen Erklärung von Landeselternrat und Verbänden am 16.3.09 die Forderung erhoben worden, die Versorgung mit Schulpsychologie zumindest wieder an den bundesweiten Durchschnitt heranzuführen.


Wir bitten Sie deshalb nachdrücklich um eine fraktionsübergreifende Initiative zur Schaffung der für Niedersachsen in einem ersten Schritt erforderlichen 60 neuen Stellen in der Schulpsychologie.

Für weitere Informationen stehen wir gern zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen


(1.Vorsitzender

 

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